Glossar: E

Essay

Der oder das Essay (frz. essai: Versuch, Probe) ist eine auf Michel de Montaigne und Francis Bacon zurückgehende Textsorte, in der der Autor / die Autorin sich einem Phänomen oder einem Gegenstand aus subjektiver Perspektive fragend nähert. Dabei geht es weniger um Antworten/Lösungen, sondern mehr um den argumentativen Weg und die deutliche Positionierung des/der Schreibenden.
Der akademische Essay ist – zumindest in Deutschland – keine fest definierte Textsorte: Mal wird er als kleine Hausarbeit verstanden, mal als Aufsatz, mal ähnelt er einer Erörterung. Dennoch gibt es einige Merkmale, die zumeist zutreffen:

  • Es gibt eine klar umrissene Fragestellung (ein Problem, Phänomen, eine These).
  • Die Argumentation ist stringent und nachvollziehbar.
  • Die Position des Autors / der Autorin ist deutlich erkennbar.
  • Der Text ist leserInnenorientiert.
  • Die Sprache ist allgemeinverständlich (Schriftsprache).
  • Die Struktur (knappe Einleitung, Hauptteil, prägnanter Schluss) ist nachvollziehbar.

Unterschiedliche Essayformen sind:

  • literaturkritischer Essay: ein (literarischer) Gegenstand wird unter einer bestimmten Fragestellung untersucht
  • beschreibender Essay: ein Gegenstand wird unter einer bestimmten Perspektive beschrieben
  • reflektierender Essay: über ein festgelegtes Thema werden Reflektionen angestellt
  • argumentativer Essay: das Für und Wider eines Themas wird erörtert

So kannst du beim Schreiben eines Essays vorgehen:

1. Mach dir die Aufgabenstellung klar. (Achte insbesondere auf die Verben und die zentralen Begriffe.)
2. Lies die Grundlagentext(e) (Unterstreiche und/oder mach dir Notizen.)
3. Formuliere eine Fragestellung (eine These / ein Problem).
4. Sammle Ideen/Argumente.
5. Bring deine Ideen / die einzelnen Argumente in eine sinnvolle Reihenfolge.
6. Formuliere eine Rohfassung.
7. Überarbeite deine Rohfassung u. a. in Bezug auf roten Faden, Klarheit der Argumente, Deutlichkeit der eigenen Position, Verständlichkeit-/Nachvollziehbarkeit, Präzision.

Maike Wiethoff, Leiterin des Schreibzentrums

Exzerpt

Als Exzerpt versteht man die komprimierte Wiedergabe einzelner Textpassagen oder auch ganzer Texte. Exzerpieren ist eine wichtige Strategie, um Gelesenes wiederzugeben und für die weitere Arbeit mit den gelesenen Texten aufzubereiten.
Wird ein Exzerpt nicht als eigenständige Studienleistung verlangt, wird es als Vorbereitung und Arbeitsschritt zumeist für das Schreiben einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit oder auch zur Prüfungsvorbereitung genutzt. Aus diesem Grund ist die Anfertigung eines Exzerpts sehr individuell und damit für jeden Schreibenden, für jede Arbeit und sogar für jeden zu exzerpierenden Text anders. So kann es beispielsweise an der einen Stelle hilfreich sein, einen Text möglichst kleinschrittig und exakt im Exzerpt wiederzugeben, während von einem anderen Text lediglich wenige Einzelgedanken exzerpiert werden, da nur diese für die eigene Arbeit relevant sind. Aus diesem Grund sollte jeder Text, bevor er exzerpiert wird, erst einmal daraufhin geprüft werden, wie wichtig er für das eigene Schreiben ist und wie ausführlich er wiedergegeben werden soll.
Das Exzerpieren der recherchierten und gelesenen Texte ist eine wichtige Grundlage sowohl für die Planung als auch für die Niederschrift der Arbeit. Dabei ist es wichtig, ebenfalls zu dokumentieren, welche Literatur zwar ausgewertet, aber nicht exzerpiert wurde, da sie als weniger relevant für das aktuelle Vorhaben eingeschätzt wird. Dies ist besonders bei umfangreichen Arbeiten, in denen viel Literatur verwendet wird, wichtig, um den Überblick über die Literatur zu behalten und sich keine doppelte Arbeit zu machen.
Das Exzerpieren kann dabei in sehr unterschiedlicher (technischer) Weise realisiert werden: neben handschriftliche Notizen und die Verwendung eines (einfachen) Text-verarbeitungs¬programms wie beispielsweise Microsoft Word kann die Arbeit mit einem Literaturverwaltungsprogramm wie beispielsweise Citavi treten.
Die einzelnen Exzerpte können bei der späteren Niederschrift der Arbeit die Grundlage zum eigenen Schreiben bilden. Wurde im Vorfeld viel Zeit und Sorgfalt in das Anfertigen von Exzerpten investiert, ist es in der Regel kaum noch nötig, die exzerpierten Texte selbst bei der Niederschrift zu Rate zu ziehen.
Über die Vorteile auf der inhaltlichen Ebene hinaus, so Lange, kann das Exzerpieren als erster Schritt hin zum eigenen Schreiben auch den „Übergang vom Lesen zum Schreiben wesentlich erleichtern“. Gleichzeitig sieht sie das Exzerpieren auch als eine Übung, um das „wissenschaftliche Formulieren“ zu üben und somit das eigene Schreiben langfristig zu verbessern.

Vgl. Otto Kruse: Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 12., völlig neu bearbeitete Auflage. Frankfurt/Main 2007, S. 183; 185.
Ulrike Lange: Fachtexte. Lesen – verstehen – wiedergeben. Paderborn 2013, S. 51.

Annemarie Bracht (Tutorin am Schreibzentrum)