Glossar: F

Fachbegriffe

Fachbegriffe sind Kennzeichen der jeweiligen Fachsprache eines bestimmten Bereichs, wie z. B. Technik, Wissenschaft etc. Sie werden für bestimmte Vorgänge, Begriffe und Komplexe verwendet, die eine konkrete und eindeutige Bedeutung innerhalb des jeweiligen Faches innehaben: So bezeichnet ‚Morphem‘ im Bereich der Linguistik (hier: im Teilbereich der Morphologie) die kleinste bedeutungs- bzw. funktionstragende Einheit, der Begriff ‚Impact-Faktor‘ gibt im wissenschaftlich-publizistischen Bereich die Häufigkeit der Zitation eines wissenschaftlichen Artikels in einem bestimmten Medium (meist Zeitschriften, Journals) an.
Fachbegriffe sind häufig nicht ohne gewisse Vorkenntnisse innerhalb der jeweiligen Fachdisziplin verständlich und müssen entsprechend gelernt werden, wobei viele neben einer bestimmten fachsprachlichen Bedeutung Nebenformen haben, die auch alltagssprachlich verwendet werden, wie z. B. der ursprünglich aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Bereich verwendete Begriff ‚Bilanz‘, der alltagssprachlich auch im Sinne von ‚ein Zwischenfazit ziehen‘ verwendet wird. In wissenschaftlichen Arbeiten sind Fachbegriffe ein wichtiges Kennzeichen für die ‚Wissenschaftlichkeit‘ eines Textes. Zu unterscheiden sind sie von – aus anderen Sprachen übernommenen – Fremdwörtern, die einen Text zwar ‚ausschmücken‘ können, wie z. B. konstatieren für feststellen, den Text dadurch jedoch – im Gegensatz zu Fachbegriffen – nicht ‚wissenschaftlicher‘ machen. Während Fremdwörter in wissenschaftlichen Arbeiten nicht erklärt werden müssen, stellen Fachbegriffe den Schreibenden häufig vor die Entscheidung, wann diese definiert, erklärt oder belegt werden müssen und unter welchen Umständen sie als bekannt vorausgesetzt werden können.

Ilka Lemke (ehemalige Tutorin am Schreibzentrum)


Fragestellung

Die Fragestellung ist ein wichtiges Element einer wissenschaftlichen Arbeit. Erst durch die möglichst präzise Formulierung wird es möglich, einen roten Faden für die wissenschaftliche Arbeit zu finden und während des Schreibprozesses im Auge zu behalten. Es ist hilfreich, wenn auch nicht zwingend nötig, dabei eine Frageform zu wählen.
Die Fragestellung ist eng mit Thema und Titel verbunden, unterscheidet sich aber dennoch von beiden.
Beschreibt das (präzise eingegrenzte) Thema den Bereich, der in der Arbeit untersucht werden soll, gibt die Fragestellung das Erkenntnisinteresse vor. Sie präzisiert somit das Thema und gibt die Richtung vor, in die die Untersuchung sich bewegt. Der Titel wiederum hat besonders die Funktion, den Leser anzusprechen und ihm in möglichst prägnanter Form das Thema nahezubringen.
Zu jedem Thema kann es mehrere Fragestellungen (und auch mehrere Titel) geben.
Soll es in einer Arbeit beispielsweise um den Nutzen einer Fragestellung für das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit gehen, wäre eine mögliche Fragestellung: ‚Welchen Nutzen hat die Formulierung einer Fragestellung für den Schreibenden bei der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit?‘ Ebenso könnte die Frage aber auch lauten: ‚Ist es für den Leser hilfreich, wenn die Fragestellung innerhalb der Arbeit ausformuliert wird?‘ Als weitere Möglichkeit könnte auch ein Vergleich der Perspektive des Schreibenden und des Lesers in Bezug auf die Formulierung der Fragestellung vorgenommen oder etwas ganz anderes untersucht werden. Ist in all diesen Beispielen das Thema immer das gleiche, so unterscheidet sich die Fragestellung und damit auch die Gestaltung der Arbeit.

Bei der Erarbeitung der Fragestellung kann es hilfreich sein, auch wichtige Teilaspekte der Arbeit zu berücksichtigen, da die Fragestellung dadurch präziser wird. Damit die Fragestellung möglichst hilfreich für den Schreibprozess wird, sollte sie weder zu allgemein noch zu knapp formuliert sein.
Auf diese Weise kann die Fragestellung als Leitfaden durch die gesamte Arbeit dienen (Roter Faden; Relevanz). Sie kann zudem zu einem ersten Schritt auf dem Weg zur Gliederung werden. Jeder der in der Fragestellung genannten Aspekte sollte als Punkt in die Gliederung übernommen werden.
Da die Fragestellung dem Schreibenden aus den eben genannten Gründen Struktur für die weitere Arbeit gibt, ist es wichtig, bereits in einem frühen Stadium des Schreibprozesses sowohl in die Themeneingrenzung als auch in die Formulierung der Fragestellung Zeit zu investieren.
Dabei ist es aber wichtig, im Auge zu behalten, dass sich die Fragestellung im Laufe des Schreibprozesses anpassen und verändern kann. Entwickelt sich das Schreibprojekt in eine andere Richtung, als ursprünglich geplant, sollte auch die Fragestellung in diese Richtung angepasst werden.

Annemarie Bracht (Tutorin am Schreibzentrum)