Glossar: R

Rohfassung

Unter Rohfassung versteht man eine erste Version eines Textes. Ein Text gilt z. B. dann als Rohfassung, wenn er noch nicht oder nur wenig überarbeitet wurde.
Für viele Schreibende kann es hilfreich sein, eine Rohfassung von einem Text zu erstellen, da in dieser noch nicht alle Einzelheiten ausgearbeitet werden (müssen). So können die Formatierung des Textes zunächst irrelevant und sprachliche und stilistische Überlegungen in den Hintergrund gestellt sein. Eine Rohfassung kann z. B. genutzt werden, um die eigenen Gedanken aufs Papier zu bringen oder Informationen aus bereits gelesenen (Fach-)Texten festzuhalten. Dadurch, dass der Fokus in erster Linie auf der Entstehung eines Textes als erster Version liegt, verhindert man beispielsweise, dass man sich mit Formulierungen aufhält, die dann in einer abschließenden Überarbeitung eventuell noch einmal geändert werden würden. Es gibt verschiedene Versionen von Rohfassungen, im Prinzip kann jeder Text, der noch nicht überarbeitet wurde, eine Rohfassung sein. Manchmal kann der rote Faden des Textes schon erkennbar sein, manchmal ergibt sich dieser auch erst in der Überarbeitung.
Die Rohfassung kann als Grundlage für die Endversion dienen, denn sie ist ein zusammenhängender Text, der im Anschluss an das Schreiben überarbeitet und formatiert werden muss.

Hannah Matzoll (Tutorin am Schreibzentrum)

Roter Faden

Unter dem roten Faden versteht man die Erkennbarkeit der Leitidee oder argumentativen Struktur eines Textes. Bei wissenschaftlichen Texten kann diese Struktur ausgehend von der Fragestellung festgelegt bzw. aus dieser abgeleitet werden (Welche inhaltlichen Aspekte sollen/müssen in welchen Kapiteln geklärt werden, damit ich am Ende meine Frage beantworten kann? Legen die Aspekte eine bestimmte Kapitelreihenfolge nahe?).

Schon bei der Planung des Textes kann die angedachte Struktur auf ihre argumentative Stichhaltigkeit geprüft werden, indem bspw. die Planungsstichpunkte mit Blick darauf gelesen werden, ob der sie verbindende rote Faden deutlich wird. Eine solche Planung kann das Verfassen der Rohfassung unterstützen und als Orientierungshilfe dienen, wobei manchmal durch neu gewonnene Erkenntnisse eine Überarbeitung des Textes nötig wird, damit der rote Faden deutlich zu erkennen ist.

Auch bei der Überarbeitung von bereits Geschriebenem erleichtert eine Orientierung am roten Faden die Überprüfung und den Feinschliff des Textes auf mehreren Ebenen:

  • Auf der Kapitelebene kann der rote Faden geprüft werden, indem man sich das Ziel der Arbeit noch einmal bewusst macht und schaut, welchen Beitrag die einzelnen Kapitel zur Bearbeitung der Fragestellung leisten. Oft hilft es, in bereits Geschriebenem oder in der Planung nach Orientierungshilfen zu suchen (Finde ich bspw. Beschreibungen meines Vorhabens am Anfang des Kapitels oder Zusammenfassungen am Ende, die mir bei der Überprüfung helfen?).

  • Um den roten Faden auf der Absatzebene zu prüfen, ist es hilfreich, zunächst jeden Absatz mit einem zentralen Schlagwort als Überschrift zu versehen, um dann den Zusammenhang zwischen den einzelnen Schlagwörtern zu prüfen. Dabei kann man sich von Fragen leiten lassen wie: Ist dieser Zusammenhang leicht erkennbar? Braucht es ggf. eine Erläuterung – falls ja, steht diese im entsprechenden Absatz oder muss sie noch ergänzt werden?
    Sobald der Zusammenhang zwischen den Absätzen, der sie verbindende rote Faden deutlich ist, kann man die überleitenden Formulierungen durchgehen, um zu prüfen, ob sie diesen wiedergeben. Gleichzeitig lassen sich so Phrasen aufspüren, die einen Zusammenhang thematisieren, der auf der Textebene jedoch nicht zu erkennen ist.
    Zum Beispiel: „Auf dem Tisch mitten im Raum liegt ein Block, daneben ein brüchiger Bleistift. Umgeben ist der Tisch von vier Stühlen, von denen zwei bereits ihren Anstrich verlieren. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass ein Raum immer vier Wände hat….“
    In diesem Beispiel ist die kursiv gesetzte Anknüpfung irreführend, sodass nicht klar wird, was sie inhaltlich ausdrücken soll.

  • Schließlich kann auch auf der Satzebene nach Wörtern gesucht werden, die den argumentativen Zusammenhang zwischen zwei Sätzen verdeutlichen (bspw. dieser, jener, welcher, auch, nachdem, weder…noch, hier, dort, deshalb). Wenn sich in einem Satz keines dieser Wörter findet, ist es sinnvoll zu prüfen, ob der Zusammenhang auf eine andere Weise deutlich wird (bspw. durch moderierende Phrasen wie „daraus folgt“ oder „in diesem Zusammenhang“).

Sandra Hiller (Tutorin am Schreibzentrum)